Kurzhörgeschichten

#14 Der Chat
Die Jagd im Internet

31. März 2017

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Beschreibung:

Alexander jagte im Internet Kinderschänder. Leider handelte er etwas zu forsch…

Hinweis:

Der folgende Text dient nicht zum Lesen der Geschichte – das würde das Konzept der KurzHÖRgeschichten obsolet machen. Er dient lediglich als „Anleser“, damit du einen besseren Eindruck von der Geschichte erhältst und enthält lediglich die ersten ~ 400 Zeichen.

Geschichte:

Alexander fühlte sich in seinem Job nicht wirklich wohl. Seine Aufgabe bei der Polizei war es, verdeckt zu ermitteln.

Anonym.

Aber leider nicht so spannend, wie man sich das aus den ganzen Serien und Filmen vorstellt. Er war nicht undercover bei irgendwelchen Drogenbossen und führte kein geheimes Doppelleben mit Cocktails und sexy Frauen, die ihm um den Hals fielen.

Sein Job war es, Kinderschänder ausfindig zu machen. Die Welt von diesen missratenen Menschen zu befreien war für Alexander zwar eine Befriedigung, aber dafür musste er immer wieder in diese dunkle Welt abtauchen.

Er musste selbst so tun, als hätte er Interesse daran. Er musste denken wie ein Kinderschänder, handeln wie ein Kinderschänder – und was fast noch schlimmer war:

Er musste all die widerlichen Dinge lesen, die ihm im Chat geschrieben wurden.

Er wusste immer, dass das Internet nicht nur Positives hervorgebracht hat. Aber wie weit die Welt hinter der Google-Suche und Katzenbildern reichte, ahnte er bis vor wenigen Jahren nicht einmal.

Drei bekannte Kinderschänder konnte er in den letzten Jahren schon hinter Gittern bringen. Einer war entwischt, weil Alexander zu forsch gewesen war und bigteddy68, wie er sich im Chat nannte, verschwand wieder hinter den dunklen Windungen des World Wide Webs. Alexanders Vorteil war, dass er sich nicht als Kind ausgeben musste. Das war seine Bedingung, als er den Job übernommen hatte. Er wusste, dass das die übliche Taktik der Polizei war, aber er wollte es anders versuchen. Kinderschänder würden Kindern gegenüber nicht erzählen, was sie schon alles verbrochen hatten. Aber potentiellen Freunden, Bewunderern oder auch Rivalen würde so jemand vielleicht doch mehr preisgeben. Und tatsächlich führte es zum Erfolg. Manchmal. Durch den ständigen Kontakt mit diesen abnormalen Gedankengängen kam es bei ihm allerdings auch vor, dass er sich zu sehr in die Rolle hinein versetzte.

In diesem Moment war er beim Einkaufen und sah ein kleines Mädchen – ungefähr vier Jahre alt – an der Hand ihres Vaters, die ihr Getränk nicht aufs Band legen wollte. Sie hatte Angst, dass sie es nicht wieder bekommen würde, sobald es einmal außerhalb ihrer Reichweite war. Das kleine Mädchen hatte eine Narbe auf der rechten Wange und Alexander fragte sich gerade, woher sie sie wohl hatte, als ihr Vater
nett aber leicht verzweifelt versuchte, sie davon zu überzeugen, dass das Getränk eben bezahlt werden musste – und sie es sofort danach wieder haben könnte.

Normalerweise war so etwas eine sehr süße Situation und die umstehenden Leute mussten lächeln, aber Alexander nicht.

Er stellte sich vor, wie die blonden Haare des Mädchens an einen Bettpfosten gebunden wurden, die Beine mit Panzertape zusammengehalten wurden und ihr pinkes Kleid langsam nach oben
geschoben wurde, bis… Alexander schüttelte den Kopf.

Er fasste sich an die Stirn und versuchte, die Gedanken zu vertreiben. Er war nicht so ein Mensch. Er war Polizist und er jagte diese Bastarde.

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