Kurzhörgeschichten

#5 Die Bäckerei
Einschulung mit Überraschung.

13. Februar 2017

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Beschreibung:

Eigentlich sollte die Einschulung von Sophie ein freudiger Tag sein. Immerhin wartete zuhause eine Überraschung auf sie.

Hinweis:

Der folgende Text dient nicht zum Lesen der Geschichte – das würde das Konzept der KurzHÖRgeschichten obsolet machen. Er dient lediglich als „Anleser“, damit du einen besseren Eindruck von der Geschichte erhältst und enthält lediglich die ersten ~ 400 Zeichen.

Geschichte:

“Dominiiik? Können wir nicht doch ein Eis essen gehen?” Sophie quengelte jetzt schon zum dritten Mal, während die beiden Hand in Hand von der Grundschule zum Parkhaus liefen. Es war zwar ein warmer Tag, aber nicht so heiß, dass man ein Eis bräuchte. Sophie wollte aus einem anderen Grund eine Belohnung.

“Ich hab dir schon so oft gesagt, dass  du mich nicht beim Vornamen nennen sollst! Ich bin dein Vater. Also sag’ doch Papa.”

Seine Stimme klang warm und freundlich, aber etwas genervt.

Sophie war eingeschnappt. Nach ihrem ersten Schultag sollte es ja wohl eine Belohnung geben. Und die paar Süßigkeiten in ihrer Schultüte waren mehr als enttäuschend. Alex aus ihrer Klasse hatte heute ein iPhone in seiner Tüte – und alle Klassenkameraden haben nur noch mit ihm geredet und gefragt, ob sie es auch mal benutzen könnten. Währenddessen kaute Sophie nur genervt auf ihren Gummischlangen. Die Tatsache, dass ihr Vater vorhin gesagt hatte, dass sie – wenn überhaupt – mit 18 ihr erstes Smartphone bekommen würde, war ihr sauer aufgestoßen. Und jetzt verweigerte er ihr sogar ein popeliges Eis. Also musste sie eben mit harten Mitteln kämpfen.

“Mama hat auch Dominik zu dir gesagt. Und dann hast du auch auf sie gehört.”

Dominik blieb stehen.

Als Sophie es plötzlich merkte und auch anhalten musste, weil sie an seiner Hand ging, wusste sie, dass sie zu weit gegangen war.

In Dominiks Kopf rasten die Gedanken. Warum musste sie jetzt ihre Mutter erwähnen?

Vier Jahre ist es her, als seine Frau Natalie gestorben war. Krebs. Die Diagnose haben sie bekommen, als Sophie gerade 1 ½ Jahre alt war. Es hat kein dreiviertel Jahr gedauert, dann hatte Natalie den Kampf verloren.

Jetzt war Dominik also alleinerziehender Vater einer Tochter, und wollte ihr kein Eis kaufen. Schließlich hatte er zuhause schon einen Kuchen von ihrer Lieblingsbäckerei – Zahnali – stehen.

Den Kuchen mit viel Sahne und riesigen Erdbeeren an den Seiten.

Aber das konnte er ihr noch nicht verraten. Logischerweise.

Dominik schob die Gedanken an seine Frau beiseite und sah Sophie an. An ihrem Blick konnte er erkennen, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte. Es tat ihr selbst weh, von ihrer Mutter zu sprechen – und sie zu benutzen, um einen Vorteil daraus schlagen zu können, verursachte bei ihr – trotz ihrer sechs Jahre – ein ungutes Bauchgefühl.

Er kniete sich hin und war mit seinem Gesicht jetzt auf der Höhe von ihrem.

Dominik blickte sie freundlich an, streichelte ihr mit den Fingern über die Wangen und sagte:

“Du kriegst jetzt kein Eis, weil zuhause eine Überraschung auf dich wartet.”

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