Kurzhörgeschichten

#12 Die Fremde
Vertraust Du Fremden?

3. März 2017

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Beschreibung:

Markus freute sich auf seinen Urlaub. Eine fremde Frau veränderte alles.

Hinweis:

Der folgende Text dient nicht zum Lesen der Geschichte – das würde das Konzept der KurzHÖRgeschichten obsolet machen. Er dient lediglich als „Anleser“, damit du einen besseren Eindruck von der Geschichte erhältst und enthält lediglich die ersten ~ 400 Zeichen.

Geschichte:

Markus saß auf einer Bank.

Die Anzeige schräg über ihm zeigte an, dass der nächste Zug in 14 Minuten kommen würde.

Endlich Freizeit. Einfach mal abschalten von der Arbeit, dachte er.

Durch die eisernen Streben der Bank, auf denen er saß, sah er seine braune Reisetasche liegen.

Das reicht bestimmt für zwei Wochen. Hoffentlich habe ich auch alles eingepackt.

Er zog seinen Trenchcoat zu, als ein eisiger Windstoß durch die Bahnhofshalle zog und er schüttelte sich.

Markus drehte sich nach rechts und sah eine Frau neben sich sitzen, die sich ebenfalls schüttelte.

Sie war wunderschön.

Ihre Stupsnase leuchtete vor Kälte rötlich und die zarten Wangen sahen ebenfalls so aus, als könnten sie etwas Wärme vertragen.

Er lächelte sie an und sagte:

„Unschönes Wetter, um auf einen Zug zu warten, was?“

Die Frau lächelte gequält.

„Allerdings“, erwiderte sie und schüttelte sich noch einmal.

Als sie ihre Handtasche von der Bank nahm, sah er, dass auch sie eine Tasche unter der Bank verstaut hatte.

„Geht’s bei Ihnen auch in den Urlaub?“

„Ja. Ich fliege mit meinem Bruder nach Sardinien. Er müsste eigentlich jeden Moment zurückkommen. Er wollte nur kurz auf die Toilette und sich einen Kaffee holen.“

Etwas besorgt sah sie sich um und blickte auf die Uhr.

„Ach, das schafft er bestimmt noch.“, versuchte Markus ihr Mut zuzusprechen.

„Und selbst wenn, die Züge verspäten sich doch sowieso immer.“

Sie lachte nervös auf. Ein schönes Lachen, bei dem sie ihre obere, weiße Zahnreihe zeigte.

„Das wäre aber ungünstig. Sonst verpassen wir noch den Flieger.“

Markus war sich nicht sicher, ob er zu forsch war. Flirten konnte er noch nie besonders gut, aber diese Frau hatte etwas an sich, das ihn faszinierte.

Allerdings wirkte sie etwas abweisend und so, als würde sie in Ruhe gelassen werden wollen. Und Gegenfragen kamen von ihr auch nicht. Das war kein gutes Zeichen.

Schnell blickte sie auf ihre Armbanduhr und schien die Uhrzeit mit der Bahnhofsuhr abzugleichen. Dann seufzte sie und kramte in ihrer Handtasche nach einer Tüte.

Sie holte eine angebissene Brezel hervor und biss hinein.

Am liebsten hätte er auch ein Stück gegessen. Er schmeckte schon den salzigen, warmen Teig.

Vielleicht gehe ich auch noch kurz los?, dachte er.

Aber als er sich umsah, stellte er fest, dass auf diesem Steig keine Snacks oder Brötchen verkauft wurden. Hier war nur ein Getränkeautomat.

Naja, nicht so wichtig.

Aber eine Sache wollte er noch mehr als die Brezel.

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