Kurzhörgeschichten

#11 Das Tattoo
Das geht unter die Haut.

1. März 2017

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Beschreibung:

Adrian freute sich über sein neues Tattoo. Bis es plötzlich eine unheimliche Bedeutung bekam.

Hinweis:

Der folgende Text dient nicht zum Lesen der Geschichte – das würde das Konzept der KurzHÖRgeschichten obsolet machen. Er dient lediglich als „Anleser“, damit du einen besseren Eindruck von der Geschichte erhältst und enthält lediglich die ersten ~ 400 Zeichen.

Geschichte:

Adrian betrachtete seine neue Tätowierung.

Er war gerade auf dem Weg nach Hause, saß seit ungefähr zehn Minuten im Bus und sah begeistert das Dreieck mit den Streifen auf seinem Oberarm an.

Auf der Innenseite seines linken Bizepses war das Tattoo, das in der Mitte einen hellen Strich Haut frei gelassen hatte.

Unter dem schwarzen Dreieck waren zwei Linien in unterschiedlicher Größe, ebenfalls in schwarzer Farbe.

Meine Mutter sagt eh wieder, dass das nur Hipster machen, dachte er sich.

Es war ihm egal.

Adrian mochte das schlichte Motiv und holte sein Smartphone aus der Hosentasche, um seine Benachrichtigungen auf Facebook zu checken.

Als die Tätowierung fertig gestochen und mit einer Salbe eingerieben wurde, hatte er direkt ein Foto gemacht und es gepostet.

Dreizehn Likes und zwei Kommentare.

Einer war von einer alten Schulfreundin. Jessica.

“Schon wieder eins?”, schrieb sie.

Das letzte Tattoo, sein viertes, hatte er sich letzten Monat stechen lassen.

Fängst du einmal damit an, willst du immer mehr, dachte er grinsend.

Der zweite Kommentar war von seinem besten Freund Jannik.

“Alter. Total Hipster.”

Adrian tippte mit dem Zeigefinger auf “Gefällt mir”.

Jannik hatte ebenfalls ein Dreieck tätowiert – an der Wade seines rechten Beins.

Und Janniks zweiter Vorname war Sarkasmus.

„Dreizehn Likes in 20 Minuten sind ja schonmal nicht schlecht, ich hab ja auch nur…“ Er grübelte kurz darüber, wie viele Freunde er eigentlich in dem sozialen Netzwerk hatte.

Er ging auf sein Profil und stellte fest: 436.

„Hm, da sollte ich auch mal wieder ausmisten“, ging es ihm durch den Kopf.

Er checkte kurz noch die Uhrzeit – 17:36 Uhr – und steckte sein Handy wieder in die Tasche.

Adrian wohnte nicht weit weg von der Innenstadt.

Es dauerte ungefähr fünfzehn Minuten von der Haltestelle in der Nähe des Tattoostudios Pain & Paint bis zu seiner Haltestelle.

Noch drei Stationen.

Faszinierend, wie genau die Busse immer getaktet sind, dachte er gerade, als er nach links sah und ein flaues Gefühl im Magen hatte.

Irgendetwas war merkwürdig.

Er saß direkt in der Mitte des Busses – auf den beiden Sitzen hinter der hinteren Tür.

Eine Plexiglasscheibe war vor ihm angebracht und hielt etwas den Wind ab, der jedes Mal durch den Bus zog, wenn sich die Türen öffneten.

Auf den beiden Plätzen neben ihm saß eine ältere Dame, die gerade strickte.

Sie hatte weiße Haare, die in alle Richtungen zu fliegen schienen.

Außer der Frau und ihm waren nur noch ein paar halbstarke Jugendliche im Bus, die auf der hinteren Bank saßen und ein Ehepaar mit einem Hund, das sich den linken Viererplatz im vorderen Teil genommen hatte.

Die Jugendlichen grölten ab und zu etwas Unverständliches, was wohl etwas mit neuen Schuhen und neuer Rap-Musik zu tun hatte.

Abgesehen davon – und dem Klack-klack, Klack-klack der Stricknadeln – war es im Bus relativ ruhig. Der Hund schlief, das Ehepaar sah gelangweilt aus dem Fenster.

Er sah die alte Frau links neben sich weiter an, als sie plötzlich aufsah und das Strickgeräusch unterbrochen wurde.

Sie drehte ihren Kopf zu ihm um und er schreckte zurück.

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