Kurzhörgeschichten

#10 Der Anhalter
Wenn der Städtetrip gestört wird.

24. Februar 2017

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Beschreibung:

Nach 20 Jahren trifft Marvin endlich wieder seine Schwester. Aus unerfreulichen Gründen.

Hinweis:

Der folgende Text dient nicht zum Lesen der Geschichte – das würde das Konzept der KurzHÖRgeschichten obsolet machen. Er dient lediglich als „Anleser“, damit du einen besseren Eindruck von der Geschichte erhältst und enthält lediglich die ersten ~ 400 Zeichen.

Geschichte:

Endlich.

Endlich ist es so, wie ich es mir immer vorgestellt habe.

Marvin lächelte.

Er saß am Steuer seines roten Ferrari Californias und neben ihm saß seine Schwester.

Endlich.

Nachdem sie sich jahrelang nicht mehr gesehen hatten, waren sie jetzt wieder Bruder und Schwester. Und auf dem Weg zu ihrem ersten gemeinsamen Urlaub.

Ein Städtetrip nach München.

Sie fuhren seit ungefähr einer halben Stunde über die A8. Das Verdeck war offen, die Sonne schien bei angenehmen 24 Grad, wie die Anzeige im Auto verriet, und im Radio lief ihr Lieblingssong, bei dem sie laut mitgrölten.

Walking on Sunshine.

Schon als Kinder haben sie zu dem Song getanzt.

Bevor Tanja mit sechzehn von zuhause weggelaufen war. Und Marvin sie in den letzten 20 Jahren nur einmal gesehen hatte, als sie mit Mitte 20 vor ihrem Elternhaus auftauchte und ihren Vater um Geld anbettelte.

Sie war schwanger.

Jetzt war sie alleine neben ihm im Auto.

Sie hatte gesagt, dass sich ihre beste Freundin um ihre Tochter kümmern würde, aber ihr Gesicht hatte dabei ausdruckslos ausgesehen.

Dabei war ihr Gesicht das Gegenteil von Ausdruckslosigkeit.

Sie hatte strahlend blaue Augen, die Freundlichkeit und Wärme ausstrahlten.

Blonde Locken, auf die andere Frauen neidisch waren. Ihre Haare fielen ihr bis zu den Schulterblättern und hatten natürliche Wellen, die kein Lockenstab dieser Welt so perfekt hinbekommen hätte. Ihre längliche Nase war schmal und gerade. Ihre Lippen waren voll und sahen aus wie gezeichnet. Die Unterlippe war doppelt so breit wie die Oberlippe und sie hatte ein weiches Kinn, auf dem jetzt die helle Sonne strahlte. Ihre helle Haut reflektierte die Sonne ein wenig.

Tanja könnte immer noch meine Zwillingsschwester sein, dachte Marvin.

Schon als Kinder sahen sie sich sehr ähnlich, obwohl er zwei Jahre älter war.

Auch er hatte helle Haut, blonde Haare, die er aber nach hinten gestyled hatte und kristallklare, blaue Augen.

Wie sie so über die Autobahn fuhren, hätten sie auch Models für einen Autowerbespot sein können.

Die Familie Heindt war nicht nur attraktiv, sondern auch wohlhabend.

Zumindest Marvin war es jetzt.

Ihre Mutter war gestorben, als Tanja gerade fünfzehn war und das war auch der Auslöser, warum sie ein Jahr später abgehauen war.

Ihr Vater war mit der Alleinerzieher-Rolle total überfordert und versuchte Probleme durch Verbote zu lösen. Und da er auf seine kleine Tochter aufpassen musste, durfte sie fast gar nichts mehr. Keine Partys, keine männlichen Freunde und auch nicht die Kleidung tragen, die sie gerne getragen hätte.

Mit sechzehn hatte Tanja dann genug und auch die verzweifelten Versuche von Marvin brachten sie nicht dazu, in ihrem Haus zu bleiben.

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